Liebe Leser,

angesichts der vielen schlechten Nachrichten fällt es dem Kommentator immer schwerer, für den „Lieben Leser“ Themen zu finden, die unseren Lesern Mut machen. Ich will mich heute mit einem praktischen, hoffnungsvollen Beispiel nicht nur an Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, sondern an alle richten. Es gab – bis vor etwa 20 Jahren – eine kurze Zeit, in der die hiesigen Verwaltungen den wasser nutzenden Industriebetrieben zur Kontrolle der Unbedenklichkeit ihrer technischen Abläufe am Ende ein „Durchlauf-Testbecken“ vorschrieb, in dem lebende Fische zu halten waren. Es waren in der Regel Regenbogenforellen-Setzlinge oder Gold orfen. Der Plan dabei war der Versuch, auch ohne aufwendige, chemische Wasseruntersuchungen (Fisch)toxizitäten sofort und eindeutig feststellen zu können.
Es dauerte aber nur wenige Jahre, bis festgestellt wurde, wie aufwendig dieses Verfahren war (Unterhalt der Testteiche, Bestückung mit geeigneten Testfischen, dauernde Fütterung und penible Kontrollen). Wie sensibel die Tiere tatsächlich schon auf kleinste Temperatur-, Sauerstoff- und pH-Wert-Änderungen reagierten! Das Testteichverfahren war den einschlägigen Unternehmen sehr bald zu risikoreich und zu „offen“. Ihre Lobby brachte die entsprechenden Vorschriften rasch damit zu Fall, dass man in den „Testfischen“ eine unzumutbare Tierhaltung erkannte, die gegen die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes und gegen die Tierethik verstieße und deshalb nicht weiter praktikabel sei. Geblieben sind nur die „Schönungsteiche“, die man den Forellenteichwirten weiter vorschrieb in dem Wahn, auch eine nach den anerkannten Regeln betriebene herkömmliche Fischzuchtanlage stelle eine Gefahr für das Nachfolgegewässer dar, das durch die fischfrei zu haltenden „Schönungsteiche“ vor Schäden bewahrt würde.
In Wirklichkeit aber ist eine Karpfen- ebenso wie eine Forellenteichanlage ein Kontrollsystem par excellence – ein der Vorflut des Oberflächenwassers zwischengeschaltetes „Relais“, das zuverlässig ja selbst und in sich anzeigt, ob Fische sich wohl befinden oder nicht: gesund abwachsende Fische in einem definierten Milieu können, für jedermann sichtbar, über einen von Jahr zu Jahr zu erzielenden Ertrag unmissverständlich dokumentieren, wie sehr die Unterwasserwelt vor Ort in Ordnung ist. Das gilt selbstverständlich auch für den der Teichanlage nachfolgenden Vorfluter – bis hin zur Einleitung der nächsten „Kläranlage“. Dann ist für gewöhnlich „Schluss mit lustig“; eine Teichanlage könnte mit „gereinigten“ Abwasser nichts mehr anfangen. Beispiel gefällig?
Werner Ruf, Vizepräsident des VBB und Vorsitzender der GOBT für die Sparte „Teichwirtschaft“, betreibt in der Gemeinde Fuchstal seit den 1990er Jahren eine moderne Fließkanal-Fischzuchtanlage, die er inzwischen an seinen Sohn Julian übergeben hat. Wasserspender ist ein Oberflächenwasser aus dem Lech-Einzugsgebiet. Die Anlage erzeugt Saiblinge, Regen-, Bach- und Seeforellen, überwiegend zu Speisefischen, aber auch zu Besatzzwecken.
Vor zwanzig Jahren wurde der Anlage vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt ein Absetzteich vorgeschrieben, der am Ende der Anlage offen in den Lech ausmündet. In dieses, von der Fischhaltung ausgenommene, Absetzbecken tummeln sich – natürlich! – immer wieder ein paar aus der Teichanlage entkommene Salmoniden, die dort verweilen und ohne Fütterung oder Nutzung weiter heranwachsen.
Seit gut zehn Jahren haben die im begradigten und teileingestauten Lech in Bedrängnis geratenen Huchen diesen Absetzteich entdeckt und ziehen von Lech aus hinein, verweilen dort dunkel und schwer das ganze Jahr über, schnappen sich ab und zu einen der feinsten, in ihrer Nähe vorbeischwimmenden „Freigänger“ und verlassen den Teich regelmäßig nur einmal im Jahr für zwölf Tage oder drei Wochen: während der Laichzeit. Ein Wintermärchen? Nein – es zeigt nur, was unsere Teichanlagen für Potentiale haben. Sie sind nicht heimlicher Art, sondern jeder kann sie sehen, der nur will (s. unser Titelbild!).
Es wird Zeit, dass wir uns wieder dem Positiven zuwenden und unser natürliches Bruttosozialprodukt mehren, statt es uns immer weiter zerbröseln zu lassen: Teichwirtschaft tut not!

Dr. Peter Wißmath