Liebe Leser,

wie im letzten Heft unter dieser Rubrik angekündigt, haben wir zwischenzeitlich die vom Bayerischen Landtag gestellten Anfragen zur „Zukunft der bayerischen Teichwirtschaft“ aus Sicht des Verbandes Bayerischer Berufsfischer einvernehmlich beantwortet (S. 43 in dieser Ausgabe).
Mit großem Erstaunen hatten wir nun zur Kenntnis zu nehmen, dass – offenbar völlig abseits der uns wohlmeinenden Initiative des Bayerischen Landtages – eine Gegenbewegung im Deutschen Bundestag besteht. Deren Initiatoren sitzen in der AfD beisammen und hoffen wohl, sie könnten sich mit möglichst kritischem Blick auf die herkömmliche Teichwirtschaft bei jenen, die ihren politischen Aktivismus naturschutzfachlich zu verbrämen versuchen, Punkte machen.
In der von der AfD gestellten Anfrage heißt es unter anderem: „Liegt nach Einschätzung der Bundesregierung eine fehlerhafte Einordnung zu den FFH-Lebensraumtypen (FFH-LRTs) gemäß FFH-Gebietsausweisung vor, wenn es sich bei den Teichwirtschaftsflächen nicht um naturnahe eutrophe Teiche (ehemalige, bzw. sehr extensiv), sondern um intensiv genutzte Fischzuchtteiche handelt, die in einem jährlichen Wirtschaftszyklus (von Bespannung, Kalkung, Düngung, starkem Fischbesatz, Fütterung, regelmäßigem vollständigen Ablassen) Fische zur Versorgung der Bevölkerung mit Fisch erzeugen?“
Die Bundesregierung antwortet darauf: „Intensiv bewirtschaftete Fischteiche können FFH-Lebensraumtypen (LRT) darstellen oder enthalten. Aufgrund des in der Regel deutlich eutrophen Charakters der Gewässer (bedingt durch Futtermittel, Düngung etc.) wird ganz überwiegend der LRT 3150 (eutrophe Seen, Teiche, Tümpel, Altarme etc. mit Laichkraut- oder Froschbißgesellschaften / mit Vegetation des Magnopotamion oder Hydrocharition) betroffen sein. Eventuell sind vereinzelt noch eutrophierte Ausprägungen des LRT 3130 und/oder 3140 enthalten, sofern die LRT-Voraussetzungen (insbes. bzgl. der erforderlichen Pflanzengesellschaften und Charakterarten) erfüllt sind. Über LRT-Zuordnungen einzelner Gewässer liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Gebietsmeldung und Managementplanung liegen in der Zuständigkeit der Länder. Maßgeblich ist dabei der Zustand des Gewässers zum Zeitpunkt der Meldung als FFH-Gebiet.“
Mit einfacheren Worten: Die Vertreter der AfD möchten wissen, wie die Bundesregierung überhaupt auf die Idee komme, Fischteiche wären Biotope, und diese antwortet im Wesentlichen damit, dass Teiche dann Biotope sein könnten, wenn sie Sumpftümpel darstellten, im Übrigen aber die Frage an die Länder zu stellen wäre. So? Da kommen wir mit der Beantwortung des Fragenkatalogs des Bayerischen Landtages ja gerade richtig!
Aus Sicht des fischereilich bedeutendsten Bundeslandes dieser Republik sollte es in unserer Natur nicht nur Sümpfe und Moraste geben, sondern auch klare, tiefere, fließende Gewässer. Fließen, die nicht über Gebühr verschmutzt und nicht in ihrem Verlauf gehemmt werden; wenigstens aber naturnahe Einrichtungen, die das ermöglichen, was den Salmoniden, den Coregonen, den Koppen, den Elritzen, den Moderlieschen, dem Perlfisch, den Krebsen, den Muscheln und vielem anderen in der „freien“ Natur schon längst nicht mehr gelingt: Selbsttragende Bestände auszubilden und die ichthyologische Vielfalt der bayerischen Unterwasserwelt zu gewährleisten. Danach wird in dieser „alternativen“ Anfrage nicht verlangt, und die Bundesregierung kommt gar nicht auf die Idee, darauf hinzuweisen, die herkömmliche Teichwirtschaft sei ein Schutzgut, das mindestens so pfleglich zu behandeln wäre wie die Schädlinge, die man auf sie angesetzt hat.
Die bayerische Teichwirtschaft und alle Menschen, die in ihr schaffen, sind keine bloßen Sumpflandschaften, bewohnt von anspruchslosen Sumpfwesen, sondern ein Gut, mindestens so wertvoll wie Schlüsselblumen, Biber oder Kormorane – gerade dann, wenn sie diesen zahlenmäßig so hoffnungslos unterlegen sind. Sind die Teichwirte mit ihren Familien nicht auch „Schutzgüter“, die per Gesetz am Leben zu halten sind?
Es sind Menschen. Es sind wir.

Ihr
Dr. Peter Wißmath