Liebe Leser,

unlängst kam der Vorstand der Fischereigenossenschaft Staffelsee zur Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, um sich über die aus Sicht der Genossenschaft nicht mehr zu ertragende Biberplage zu beschweren. Netze würden zerrissen, ausgelegte Reusen zernagt, die vom Biber gefällten Bäume stürzten ins Wasser, trieben ab und gingen an Stellen unter, wo sie zu unvorhersehbaren Fallen für Bodenstellnetze würden. Letztere könnten dann entweder gar nicht mehr oder nur noch in Fetzen geborgen werden.
Natürlich zweifelten die zuständigen Beamten die Vorhalte der Fischereigenossenschaft sofort an. Wie könnte man denn sicher sein, so hieß es, dass die geschilderten und gezeigten Havarien den Bibern anzulasten wären? Könnten diese nicht von den Fischern selbst durch Unachtsamkeit oder gar in betrügerischer Absicht vorsätzlich zustande gekommen sein? Die Genossenschaft ließ diese ebenso dreisten wie unverschämten Unterstellungen erst einmal stehen und wollte stattdessen von der Behörde erfahren, wie viele Biber
denn inzwischen insgesamt am und im Staffelsee ihr Unwesen trieben. „Das wissen wir nicht“, hieß es schulterzuckend, „die haben wir nicht gezählt.“ „Und wie viele Biberburgen gibt es derzeit im Staffelsee und seinem Einzugsbereich?“ „Das wissen wir auch nicht.“
Der Vorwurf, dass dies eigentlich nicht jener Kenntnisstand wäre, den man sich von einer Behörde wünschte, die für den Ausgleich von Biberschäden amtlich zuständig sei, wurde eiskalt ausgekontert. „Der Biber ist Natur, und die hat dem Menschen gegenüber hier am Staffelsee immer Vorrang. Merken Sie sich das!“
Den Genossen blieb der Mund offen stehen. Unverrichteter Dinge verließen sie das Amt mitsamt ihren kaputten Netzen, erst enttäuscht und dann empört. Beim Hinausgehen fiel ihnen das Kreuz ins Auge, das dort neuerdings, wie in allen anderen bayerischen Behörden auch, deutlich sichtbar zu hängen hat. Neulich, bei der Genossenschaftsversammlung, gleich nach der Heiligen Messe, haben sie von diesem demütigenden Gang erzählt und ihrem immer noch andauernden Unmut Luft gemacht. Der Kolumnist kann den Ärger der Staffelseefischer gut verstehen. Der Biber ist nicht nur im Fünfseenland, sondern fast überall in Bayern zu einer Plage, wenn nicht gar
schon zu einer Gefahr geworden. Wo es offene Gewässer und an deren Rändern noch einen höheren Bewuchs gibt, hat er die besten Plätze längst besetzt; er weicht inzwischen ohne jede Scheu vor dem Menschen in die künstlich angelegten Parks im Umfeld der Großstädte aus. „Der Biber bringt uns die Natur zurück!“, tönt’s aus den Ämtern dazu vollmundig.
Dass damit die Vernichtung der größeren Ufergehölze, die Unterminierung von Straßen und Wegen und die Durchlöcherung von über Jahrhunderte standfest gebliebenen Dämmen verbunden ist, weiß inzwischen aber jeder. Allein die im Landkreis München gelegene Gemeinde Ismaning beziffert ihre Biberschäden auf 250.000 bis 500.000 € pro Jahr! Genießt so etwas wirklich noch „Vorrang“?
Merkwürdig! Wie kann man in einem Amt, das sich öffentlich und deutlich sichtbar zum Christlichen Glauben bekennt, zu der Auffassung gelangen, Menschen und ihre Bedürfnisse rangierten hinter jenen dieser Nagetiere?
Hier möge unser Herr Ministerpräsident, frisch belobigt aus Rom zurück, doch einmal nachhaken! Wo das Kreuz deutlich sichtbar vor der Tür hängt, sollten die Bürokraten dahinter auch christlich denken und handeln. Wer das Vieh über den Menschen stellt, tut das nicht! Und das, so meint der Kolumnist, ist nicht nur für Christen, sondern für jeden Mitmenschen nachgerade unerträglich. Es wäre schön, wenn ein Fall wie dieser die richtigen Konsequenzen nach sich zöge: Entweder wird das Kreuz wieder abgehängt, oder man ersetzt die dortigen Beamten durch Personal, das die Kirche noch im Dorf lässt. Ein Goldenes Kalb stellt man den Staffelseefischern jedenfalls nicht anstelle von St. Michael nach Seehausen.
Da sein Gott vor!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Dr. Peter Wißmath