Liebe Leser,

am 4. Dezember des vergangenen Jahres hätten wir Gelegenheit gehabt, vor dem Bayerischen Landtag einen Vormittag lang Fragen der Abgeordneten zum aktuellen Stand der bayerischen Teichwirtschaft und ihrer Zukunft zu beantworten. Ganz offensichtlich war dem Hohen Haus im Zuge des Bienensterbens und der „Fridays for Future“-Kampagnen aufgefallen, dass es außer der bösen Autoindustrie, den bösen Fabrik- und Kraftwerksschornsteinen, den bösen Pendlern, den bösen Fleischfressern, den bösen Landwirten und den bösen Flugtouristen auch ein paar Teiche in der noch nicht vollständig zubetonierten Landschaft gibt. Auch böse?

Ja, sagten die zu dem Termin geladenen, ganz weit vorn sitzenden Vertreter des Landesbundes für Vogelschutz und des Bundes Naturschutz, des Umweltministeriums und der Verwaltungsbehörden – jedenfalls dann, wenn wir unsere Fischteiche nicht freiwillig als Spielwiesen für Kormorane, Fischotter, Reiher und Biber bereitstellten. Anders als die bösen Rehe, die den für die Spaziergänger so wichtigen heimischen Mischwald anknabberten und deshalb mitsamt den Gemsen totgeschossen werden müssten, wären Kormorane, Biber, Fischotter und Reiher keine solchen Schädlinge, sondern wertvolles Getier, das die Natur unter Wasser im Gleichgewicht hielte und deshalb zu schützen sei. Ein guter Teich, so erfuhren wir, wäre einer ohne Fische, jedenfalls ohne einen Teichwirt im Hintergrund, der ihn nutzte und pflegte. Uns bayerische Forellenteichwirte hatte man zu diesem Termin nicht eingeladen. Wir mussten uns selber einladen und sind gegen den Widerstand der Behördenvertreter in Erscheinung getreten, saßen aber nur in der zweiten Reihe. Aber eine Fischbrotzeit durften wir mitbringen, das schon – sorgsam mit Räucherfischen belegte und mit Fischcreme bestrichene Kanapees, die auch vom Naturschutz mit sichtlichem Behagen verspeist wurden.

Von den 40 Fragen, die vom Landtag im Vorfeld schriftlich gestellt worden waren, kam im Wesentlichen nur eine Einzige wirklich dran: Was tun gegen Biber, Fischotter, Kormoran und Fischreiher? Antwort: Wir brauchen noch viel mehr staatliche Programmatik, mehr „Beauftragte“, die nach staatlichem Gusto zu wirken hätten. Das war der Verhandlungsleitung denn doch zu wenig. Als sie gegen Ende des Termins feststellen musste, dass kaum einer der Punkte der Tagesordnung wirklich besprochen und behandelt werden konnte, schlug sie vor, die anwesenden Verbände und Interessengruppen sollten im Nachhinein schriftliche Stellungnahmen zu den aufgeworfenen Fragen abgeben, etwa zu „Wie ist die Struktur in der Teichwirtschaft in Bayern?“, „Wie sind die wirtschaftliche Situation und die Arbeitssituation in der Teichwirtschaft?“ oder „Welche Bedeutung hat Teichwirtschaft für die Biodiversität?“ Das werden wir gerne tun – aus der Sicht des Verbandes Bayerischer Berufsfischer, der mit seinen 3500 Mitgliedern das einzige Gremium ist, das diese Fragen wirklich ehrlich und mit dem notwendigen fachlichen Hintergrund beantworten kann.

Merkwürdig, dass die Forellenteichwirte von dieser Erörterung hätten ausgesperrt bleiben sollen. Sind wir dem Staat zu gering, zu bedeutungslos? Spielen wir in seinen Augen keine Rolle? Haben unsere Ahnen und Urahnen etwas mit dem Wasser und dem Boden getan, wovon man plötzlich nichts mehr wissen will? Oder haben sie Verdienste erworben, die man nun nicht nennen möchte, weil man sie sich nicht an die Fahnen heften kann? Weil ohne die Salmonidenteichwirtschaft ja gar keine Fische mehr in unseren Fließen lebten, die von Mensch oder Tier gefangen und von Mensch oder Tier verspeist werden könnten?
Wie dem auch sei – wir werden den Fragenkatalog gern beantworten, so rasch, so umfassend und so präzise, wie wir es können. Das sind wir vor allem unserer Jugend schuldig, die sich immer noch nicht davon abbringen lässt, das schwierige Handwerk der Teichwirtschaft erst zu erlernen und dann auszuüben.

Dafür wünschen wir ihr im kommenden Jahr viel Glück und Gottes Segen!

Ihr
Dr. Peter Wißmath