Liebe Leser,

die Abfischungen der Karpfensetzlinge sind in der ersten Maiwoche abgeschlossen worden. Die Setzlinge sind gut über den Winter gekommen. Die Verluste hielten sich in Grenzen, die Abfischergebnisse waren zufriedenstellend. Die Setzlinge konnten im Markt untergebracht werden. Die gute Partnerschaft mit den Fischereivereinen ist ein Segen für die Teichwirte, denn wenn doch einmal Karpfen übrig geblieben sind, dann nahmen die Vereine die Fische ab. Bis Mitte Mai fehlte mancherorts in vielen Teichen noch Wasser. Im Winter hat es wenig geschneit, entsprechend gering war der Zulauf von Schmelzwasser im Frühjahr. Die bisherigen Niederschläge haben zur Befüllung der Teiche auch nicht gereicht. Die Teiche wurden entsprechend der geringeren Wasserfüllung schwächer besetzt. Das Risiko, einen halbvollen Teich in der Hoffnung auf kommende Niederschläge normal zu besetzen, sind viele Teichwirte nicht eingegangen. Speisekarpfen könnten in diesem Jahr deshalb fehlen. Kormorane, Graureiher und Silberreiher nehmen europaweit beständig zu und damit auch die von ihnen verursachten Schäden. Um die Verluste durch diese Schadvögel etwas zu mindern, werden größere K 2 besetzt, was natürlich zu Übergrößen bei den Speisefischen und zu Preiseinbußen führen kann. Oft wird die übermäßige Entwicklung von Tierarten als Erfolg für den Artenschutz gesehen, ohne den nachteiligen Einfluss auf das gesamte Ökosystem und die Schädigung gefährdeter Arten zu berücksichtigen. Zur Reduzierung der Kormoranschäden wurden rechtliche Möglichkeiten geschaffen. Zur Begrenzung der Schäden durch Graureiher ist die nach § 19 AVBayJG eingeräumte Jagdzeit vom 16.9. – 31.10. im Umkreis von 200 m um geschlossene Gewässer nicht ausreichend. In Österreich ist die Jagdzeit auf Fischreiher länger. Für die Begrenzung der Schäden durch Silberreiher fehlt bisher jede rechtliche Handhabe, obwohl die Bestände der Silberreiher erheblich zugenommen haben. Bekanntlich fördern Silberreiher die Schäden durch Kormorane. Das wurde im Fischer & Teichwirt 11/13 begründet. Geschehen ist bisher nichts. Beide Vogelarten sind längst nicht mehr gefährdet. Für Grau- und Silberreiher wird die gleiche Jagdzeit wie für Stockenten vom 1.9. – 15.1. gefordert. Seit Jahren breiten sich auch Fischotter flächendeckend in Bayern aus und verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden in der Fischerei. Fischotter jagen vor allem nachts. Mit Wildkameras wurden an einem Teich oft mehrere Fischotter aufgenommen. Es gibt keine nachhaltigen Abwehrmaßnahmen. Auch ein Besatz mit größeren Satzfischen hilft nichts, denn Otter ziehen Fische aller Größen aus dem Wasser. Um die wirtschaftlichen Schäden durch Fischotter zu verringern hilft nur eine nachhaltige Entnahme, zumal auch diese Tierart längst nicht mehr gefährdet ist. Auch die Biberschäden nehmen in der Teichwirtschaft und an öffentlichen Gewässern und Einrichtungen beständig zu und gefährden die öffentliche Sicherheit, was Fischer und Steuerzahler jährlich viel Geld kostet. Berichte darüber finden sich in den Medien zur Genüge. Der Fischer & Teichwirt berichtet seit langem über das Biberproblem und die Biberschäden, sehr ausführlich in der Ausgabe 08/2015.
Die Probleme der Fischer und Teichwirte hat der Vizepräsident des VBB, Günter Gabsteiger, bei einem Parlamentarischen Abend in München den bayerischen Abgeordneten vorgetragen und entsprechende Maßnahmen zur Begrenzung fischereilicher Schäden gefordert. Auch der Präsident des VBB, Albert Deß, MdEP, hat bei einer Veranstaltung in Alfershausen am 21.4.2017, bei der viele Politiker anwesend waren, diese Problematik herausgestellt und um politische Unterstützung gebeten.
Allenthalben wird immer wieder über die Erschwernisse in der Fischerei durch die Bürokratie geklagt. Vor allem bei der Umsetzung der EU-Richtlinien in nationales Recht wird mehr vorgeschrieben als Brüssel verlangt. Es wäre an der Zeit für eine wirksame Entbürokratisierung, sowohl im Abbau von Vorschriften und Gesetzen als auch in mehr Transparenz behördlichen Handelns nach dem Motto: „Mehr Effizienz durch weniger Bürokratie“. Für die Bayerische Staatsregierung ist der mittelfränkische Abgeordnete Walter Nussel Beauftragter für den Bürokratieabbau. Als Abgeordneter für den Stimmkreis Erlangen-Höchstadt, einem Zentrum der Teichwirtschaft, kennt Walter Nussel die Probleme der Teichwirtschaft noch aus seiner Zeit als mittelfränkischer Bezirksrat. Bei der Delegiertenversammlung des VBB am 22. Mai 2017 war er Gastredner.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Wißmath