Liebe Leser,

im letzten Heft war der Glossenschreiber an gleicher Stelle bemüht, darauf aufmerksam zu machen, dass ein Konsens der „Jungen“ mit uns „Alten“ nicht damit zu erzielen sein wird, dass man bloß die Schule schwänzt und sich medienwirksam daran aufhält, was wir „Alte“ falsch oder fatalerweise gar nicht gemacht haben. Und dass wir den Jungen dabei mehr oder weniger verständnisvoll zuschauen.

Gewiss, wir fahren oft zu schnell auf zu vielen Autobahnen herum, bauen zu wenige Sozialwohnungen, bewegen uns kaum mehr fußläufig in der freien Natur und wenn doch, dann geben wir dabei kaum Obacht auf Bienen, Fledermäuschen oder das Bodensee-Vergissmeinnicht. Natürlich sind aber nicht nur wir Alte daran schuld, dass unser Ökosystem an seiner Belastungsgrenze angelangt zu sein scheint: Die junge, durch SMS, Instagram, Facebook und Twitter vernetzte Jugend stellt immer neue, höhere Ansprüche.
Den Jungen dabei zu helfen, natur- wie sozialverträgliche und, vor allem, friedliche Lebenswege zu finden, ist eine der Hauptaufgaben, vor die sich unsere alternde Gesellschaft gestellt sieht. Dass ein obligatorischer Zivildienst für Mädchen und Jungs dabei eine Schlüsselrolle spielen könnte, gehört noch zum Grundwissen, und so nimmt es nicht Wunder, dass Umweltminister Glauber einen solchen Vorhalt beim Spitzengespräch der „Bürgerallianz Bayern“ in seinem Ministerium am 7. Oktober dieses Jahres sehr ernst nahm.
Man hört inzwischen zwar allenthalben und allerorten viel von allerlei „Allianzen“, stellt aber immer wieder fest, dass sie, grad so wie die Katholische Kirche Bayerns, zwar aufrecht bemüht, aber nicht immer richtig besetzt sind. Allianzen sind im besten Falle Zusammenschlüsse verschiedener Gruppen und verschiedener Interessenslagen, die sich miteinander um eine gemeinsame Sicht und um gemeinsame Ziele bemühen. Fischer und Teichwirte sind etwas Althergebrachtes, waren aber im Lauf der Jahrtausende stets befugt und befähigt, das ihnen von der Schöpfung anvertraute Gut durch oft genug wirre Zeiten zu erhalten und pfleglich zu nutzen. Angeleitet wurden wir dabei von der Natur selbst, später von den Mönchen des Mittelalters und noch später, jedenfalls in Bayern, von den „Königlichen Kreiswanderlehrern für Fischerei“, die uns und unser Handwerk ernst nahmen und die uns liebten. Sie gingen mit uns durch dick und dünn.
Bei jener „Bürgerallianz“ am 7. Oktober saßen in dem hellen Besprechungssaal des Ministeriums etwa dreißig Personen zusammen und tauschten sich aus. Der Glossenschreiber war eine davon, und er repräsentierte den Durchschnitt: Wir waren allesamt um die 70 Jahre alt und männlich. Nur der Minister selbst und seine beiden männlichen Beisitzer waren deutlich jünger.
Aus einem „Senat“ wie diesem wird ganz gewiss kein lebendiges Gremium mehr, das einen Minister und seine Verwaltung auf Gedanken brächte, die unserer modernen Gesellschaft weiterhelfen könnten. Es ist wie mit der Religion – wenn wir wollen, dass bestimmte Grundideen lebendig bleiben, dürfen wir nicht mehr nur in der Asche herumstochern und mit dem alten Katechismus winken, sondern müssen auch auf die hören und jene die Flamme mitschüren lassen, denen wir früher den Mund verboten und die Hände gefesselt haben.
Im alten Katechismus standen viele Wahrheiten und Weisheiten, aber schon damals nicht alles, worauf es wirklich ankam. Unsere Gesellschaften haben mit den vielen Katechismen, die sie dabeihatten, nicht nur Gutes bewirkt, sondern auch eine Menge Mist produziert. Die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts waren großer, ganz großer Mist. Hätte man unsere Frauen und die Kinder damals wirklich zu Wort kommen lassen, wäre die Weltgeschichte eine andere geworden. Vielleicht eine bessere. Das sollten wir bedenken, wenn wir uns in unseren Altmännerrunden heute sorgenvolle Gedanken über die Zukunft machen.
Das glaubt, mit freundlichen Grüßen,

Ihr
Dr. Peter Wißmath