Liebe Leser,

selbst die ältesten Teichwirte können sich an kein so trockenes Karpfenjahr erinnern wie heuer. In vielen Himmelsteichen wurde schon Anfang August das Wasser knapp und die Wasserstände sanken. Dann hatten die Fischreiher leichtes Spiel. In Mittelfranken und der mittleren Oberpfalz begannen kleinere Vorfluter auszutrocknen. Dann war es auch mit einer amtlich festgeschriebenen Restwassermenge vorbei. Als dieses Vorwort Mitte September geschrieben worden ist, herrschte in Nordbayern noch Wassermangel. Der Vorsitzende des Karpfenausschusses des VBB, Johann Hausmann, teilte mit, dass heuer manche Teiche schon Anfang August notabgefischt werden mussten. Soweit die Speisekarpfen noch nicht das Erntegewicht erreicht hatten, mussten sie in wassersichere Teiche umgesetzt werden. Die Teichwirte haben sich schon ab Juli auf die Wasserknappheit eingestellt, die Fütterung reduziert oder ganz eingestellt und begonnen, die Teiche zu belüften. Dabei haben sich die Schaufelradbelüfter besonders bewährt, denn sie erzeugen in den Teichen eine Strömung, wodurch eine größere Wasserfläche mit Sauerstoff angereichert wird. Von einigen Teichwirten wurde auch trotz der großen Hitze eine Wasserkalkung durchgeführt.

Bei der anhaltenden Hitze im August stiegen die Wassertemperaturen in den Teichen drastisch an, in einer Teichanlage mit sinkendem Wasserstand bis auf 28,7° C. Die Sauerstoffwerte sanken dort in den frühen Morgenstunden zwischen 4 bis 6 Uhr auf nur noch 0,3 mg/l. In dieser Teichanlage verendete über eine Tonne Speisekarpfen. Auch andernorts sind teilweise erhebliche Fischsterben aufgetreten. Bei einem Mischbesatz von Karpfen, Zandern und Weißfischen seien zuerst Zander verendet und dann
zum großen Teil auch die Weißfische. In einem Fall verendeten in einem Teich 400 kg Zander.

Bei der Eröffnung der Karpfensaison am 31.8.2018 in Bad Alexanderbad sagte die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die Karpfen hätten sich in Bayern trotz Trockenheit, Wasserknappheit und den hohen Wassertemperaturen gut entwickelt und es werde 2018 mit einer guten Ernte in bester Qualität gerechnet. Die Karpfenernte könne in diesem Jahr sogar über dem langjährigen Durchschnitt von ca. 6.000 Tonnen liegen, so die Landwirtschaftsministerin. Weil bei der Hitze die Fütterung teilweise reduziert oder eingestellt worden war, lagen Anfang September mancherorts die Speisekarpfen noch deutlich unter den marktgängigen Gewichten. Doch ein guter September kann bei ausreichender Zufütterung noch alles wett machen, so dass bis Mitte Oktober die bevorzugten Marktgewichte, von z. B. etwa 2½ Pfund in Mittelfranken, erreicht werden können. Wie hoch die Verluste in diesem Jahr sein werden und wie groß die Karpfenernte dieses Jahr ist, wird sich nach den Abfischungen zeigen. Jedenfalls werden die Karpfen dieses Jahr wieder von bester Qualität sein. Die Preise für Futtergetreide werden wegen der geringeren Getreideernte steigen und damit auch die Fütterungskosten. Dementsprechend ist auch bei den Karpfen mit höheren Erzeugerpreisen zu rechnen, was bei der guten Qualität der Karpfen auch durchaus gerechtfertigt ist.

Manche Teichwirte haben berichtet, dass während des Sommers erstmals weniger Kormorane und auch weniger Silberreiher an den Teichen gesehen wurden. Besorgniserregend ist allerdings die starke Zunahme der Fischotter, deren rasche flächenmäßige Ausbreitung und die von ihnen verursachten großen Schäden, vor allem in Forellenbetrieben. Hier ist eine gesetzliche Regelung zur Eindämmung der Fischotterschäden dringend erforderlich. Eine solche ist im Gespräch. Die Teichwirtschaft wird sich möglicherweise auf einen Klimawandel einstellen müssen. Ebenso werden für die kommenden Jahre wieder Hitzeperioden und Trockenzeiten vorausgesagt. Die Fischer und Teichwirte sind gut beraten, wenn sie sich mit diesem Problem auseinandersetzen und rechtzeitig geeignete Vorkehrungen treffen (Artikel S. 363).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Dieter Piwernetz