Liebe Leser,

als es 2017 das so genannte „Lutherjahr“ zu feiern gab, hatte der Kolumnist hier schon einmal dieses Reformators gedacht. Den Ablasshandel, so meinte er damals, habe Martin Luther nicht wirklich beseitigen können. Es gäbe ihn noch: Wer beim TÜV eine „Abgas-Sonderuntersuchung“ hinter sich bringe und eine entsprechende Plakette erwerbe, dürfe in den Innenzonen der Städte nach Belieben die Luft verpesten.
Da waren der „Dieselskandal“ und das damit verbundene Bohei noch gar nicht so recht im Bewusstsein der Bürger. Inzwischen stellte sich aber heraus, dass der Ablasszettel der Vorreformation und der Persilschein des heutigen TÜV nichts als der gleiche Schwindel sind.
Ach ja – wie war früher, in der „guten“ alten Zeit, doch alles klar geregelt! Der Mensch wurde mit der Erbsünde geboren, die Adam und Eva ihm aufgebürdet hatten, und musste zeitlebens danach trachten, sie wieder loszuwerden. Er musste sich dafür taufen lassen, die zehn Gebote befolgen, etwa begangene Missetaten beichten oder wenigstens bereuen können, er musste büßen und sollte das „Vaterunser“ nicht nur beten, sondern auch meinen, was der da zum lieben Gott sagte.
Inzwischen bröckelt bei den katholischen wie den evangelischen Kirchen nicht nur der Außenputz. Das amtliche Gebot, Kreuze im Zugangsbereich öffentlicher Räume aufzuhängen, konnte nicht verhindern, dass immer mehr Bürger unserer Kirche den Rücken kehren. Die allgemeine Säkularisation der Zeit, der Globalismus und die Migration sind Hauptgründe dafür, dass der christliche Glanz unserer Gesellschaft verblasst.
Wir wachen morgens nicht mehr als Erbsünder auf, sondern als Ökosünder, die nur dann der ewigen Verdammnis entkommen werden, heißt’s, wenn wir das Klima schonen, Fahrrad oder Elektroauto fahren, uns vegetarisch oder vegan ernähren, die Wale, die Kormorane, die Biber, die Wölfe, Bären und Fischotter schützen, keine Plastiktüten im Haushalt mehr benützen und keine Kunstfaserkleidung tragen, die beim Waschen Mikroplastikteilchen an das Spülwasser abgibt und damit die Ozeane verpestet. Wir dürfen heute zwar öffentlich und nach Herzenslust gotteserbärmlich fluchen, aber keine so furchtbare Worte mehr sagen wie „Negerkuss“, „Zigeunerschnitzel“ oder „Ausländer“. Es heißt jetzt „Schokokuss“, “Balkanschnitzel“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“. Aus Raubvögeln sind „Beutegreifer“, aus dem Fisch- ein „Graureiher“ geworden.
Ökologisch vertretbar, so steht’s geschrieben, sei nur noch der Verzehr von Karpfen. Die den Fischteichen bei jedem Starkregen zufließenden Maisäcker mutieren darin sofort zum Giftmüll; wer den Schlamm auch nur in kleinsten Teilen an die Vorflut weitergibt, fällt der Verdammnis anheim. Ein Fischbestand ist nicht mehr gesund, wenn er gesund aussieht und sich normal verhält, sondern nur dann nicht krank, wenn die indirekte oder direkte amtliche Suche nach „Erregern“ ein negatives Ergebnis erbrachte.
Früher hatte man nach dem Tierarzt rufen können, wenn man ihn brauchte. Heute kommt er von Amts wegen und unaufgefordert. Wenn man ihm und seinen Schergen nicht sofort öffnet, schlagen sie einem die Türe ein. Wehe, sie finden einen Keim in der Stube! Dann werden deren Bewohner nicht geheilt, sondern gekeult. An die Stelle des Konfirmandenunterrichtes ist die „Klimabildung“ getreten, die bereits in der Kita ansetzt. Man verheißt uns nicht mehr das ewige Leben im Paradies, sondern das Verglühen noch zu Lebzeiten, falls wir das “Klimaziel“ bis 2050 nicht erreichen. Wenn wir die tausend und abertausend Gebote und Verbote nicht beachten, die uns dorthin führen sollen, müssen wir Ablass zahlen. Politisch korrekt nennt man das heute „Bußgeld“, dessen jewilige Höhe man in Katalogen nachschlagen kann. Der Kolumnist schließt die Augen und sieht selbsternannte Heilsbringer um das Goldene Kalb tanzen. Es wird höchste Zeit, liebe Leser, wieder christlicher zu denken und zu handeln. In diesem Sinne ein gutes, neues Jahr!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Peter Wißmath