Liebe Leser,

was dabei herauskommt, wenn man die Natur nicht bloß nachhaltig nutzt, wie es uns der liebe Gott aufgetragen hat, sondern bedenkenlos in ihr herumpfuscht, sieht man besonders deutlich am Beispiel „Biber“. Wir erinnern uns zurück: Ein umtriebiger Geschäftsmann war in den 1960er Jahren auf die Idee gekommen, den Behörden die ausgekiesten Restflächen seines Familienunternehmens durch das Ansiedeln von Bibern schmackhaft zu machen. Er holte zunächst vier Exemplare aus Russland, weitere aus anderen Ländern wie Frankreich, Polen und Schweden und wurde dabei nicht nur von Naturschutzorganisationen, sondern auch von den einschlägigen Behörden unterstützt. Der Biber wurde sofort unter Schutz gestellt und sein gezieltes Aussetzen in unsere Kulturlandschaft nicht als „Ein-
bürgerung“, sondern als „Rückkehr“ verkauft. Der Jubel, der aus diesen Reihen erklang, als die Tiere sich alsbald vermehrten wie die Wildkaninchen, ist inzwischen verklungen. Die verantwortlichen staatlichen Stellen bemühen sich im Verein mit den von ihnen bestellten „Biberberatern“, die ins Kraut geschossenen, inzwischen zur Plage gewordenen Populationen klein zu reden und beschwören nimmermüd den Schutzstatus des Nagers. Da nützt es dem Bürgermeister der im Norden Münchens gelegenen Gemeinde Ismaning wenig, wenn er öffentlich die Schäden auflistet, die im dortigen Biber-Revier auftreten und für die seine Bürger inzwischen aufkommen müssen. „Die Schäden gehen mittlerweile in die Hunderttausende“, hatte das Gemeindeoberhaupt unlängst der Presse mitgeteilt, „seit 2006 haben sich die Kosten für Material und Fremdleistungen, Bau- und Vorsorgemaßnahmen gegen den Biber auf 120.000 € summiert. Seit einem Jahr hat sich zudem der interne Verwaltungsaufwand der Gemeinde deutlich erhöht; es werden derzeit etwa eineinhalb Arbeitskräfte von Bauhof und Umweltamt nur zur Kontrolle, Behebung und für Präventivmaßnahmen eingesetzt – Kostenpunkt: ca. 100.000 € jährlich. Die Gemeinde geht davon aus, dass der Bedarf weiter steigen wird; mittelfristig rechnet sie mit einem Verwaltungsaufwand von 150.000 € pro Jahr. Zudem könnten der Gemeinde – je nach dem letztlich beschlossenen Umfang und der Gewährung von staatlichen Zuschüssen – für weitere, größere Präventions- und Sicherungsmaßnahmen Kosten in Höhe von bis zu einer halben Million entstehen.“ Allein im Landkreis München gab es nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde zu Beginn dieses Jahres 58 besetzte „Biberreviere“; 17 davon werden als „konflikt-
trächtig“ eingestuft. Das heißt also, dass man die oben genannten Zahlen getrost mit 20 multiplizieren kann. Ein teurer Spaß!
Dass inzwischen „Schluss mit Lustig“ ist, merken nicht nur die Teichwirte, denen die Nager die Dämme zerstören und die Zuleiter verstopfen, die Landwirte, deren Feldwege unbefahrbar werden, und die Gemeinden, die Sorge haben müssen, dass angenagte Allee- und Parkbäume Passanten erschlagen – das merken auch die Urheber der Misere. Vor Jahren waren sie noch in allen Medien unterwegs, um sich und ihre Taten zu rühmen. Davon hört man nicht mehr viel. Selbst wenn man direkt die Suchworte „Weinzierl“, „Biber“ und „Baggersee“ bei Tante Google eingibt, kommt man nicht mehr recht weit. Ein paar Querverweise auf die beiden Bücher des ehemaligen Vorsitzenden des BUND, eine – kurz gehaltene – Laudatio des BUND auf ihn, dann nur noch das übliche Wischi-waschi über die wertvollen Beiträge, die dieses Nagetier zur bayerischen Kulturlandschaft leiste. Ein bisschen klingt das inzwischen wie „Pfeifen im Walde“.
Die Untere Naturschutzbehörde im Landkreis München sieht, so sagt sie wörtlich, „aufgrund der artenschutzrechtlichen Regelungen keine Möglichkeit, die Biberpopulation in Ismaning zu beeinflusssen.“
Von unseren Mitbürgern mit Migrationshintergrund verlangen wir, dass sie sich Land und Leuten anpassen; damit sie das tun, haben wir im vergangenen Jahr ein „Integrationsgesetz“ erlassen. Wer dem zuwiderhandelt, muss mit Repressalien rechnen. Offenbar sind vor dem Gesetz aber nicht alle gleich. Biber, Kormorane, Otter und Gänsesäger haben bei uns Freiheiten, von denen Bürgerkriegsflüchtlinge nur träumen können. Sonderbar. Das verstehe, wer will!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter Piwernetz